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Vergleich

Ford Escort XR3i; Opel Kadett 1.6, Peugeot 205 CTI, Renault5 GTE, VW Golf GTI

Testergebnis

Auto Bild Nr.14  5.April 1988       Thomas Hirschberger

Renault macht es vor: Es geht auch ohne " Henkel"
Die meistverkauften Cabrios Deutschlands sind " Henkelmänner": Peugeot 205, Ford Escort, Opel Kadett und VW Golf verdanken diesen respektlosen Spitznamen ihren massiven Überrollbügeln.
Der R5 rollt jetzt neu und oben ganz ohne in die Arena.

Cabriofahren, das ist wie ein Virus- besonders wenn das Wetter mitspielt. Der Wind weht einem um die Ohren, die Sonne kitzelt das Gemüt, das Stimmungsbarometer steigt unwillkürlich auf heiter.
Immer mehr deutsche Autofahrer lassen sich freiwillig von diesem Virus anstecken.
Noch nie war die Auswahl an Cabrios so groß, die Nachfrage noch nie so stark.
Auto Bild hat mit den meistverkauften Cabrios in Deutschland eine Fahrt in den Frühling unternommen. Nicht die stärkste Motorisierung war diesmal gefragt, sondern die preiswerteste Möglichkeit, offen mit geregeltem Kat zu fahren.
Die unangefochtene Nummer eins unter den Cabriolets ist noch immer der mittlerweile betagte Golf (wird seit 1979 nahezu unverändert gebaut.) Er nimmt in der 95- PS- Version am Vergleich teil.
Es folgen Ford Escort XR 3i (90 PS), Opel Kadett 1.6i (75 PS) und Peugeot 205 CTI (102 PS).
Der Konkurrenzkampf der glorreichen vier wird jetzt zusätzlich angeheizt.
Der belgische Karosseriebetrieb EBS präsentiert ein neues Renault-5-Cabriolet.
Der kleine Franzose wird  "wahrscheinlich im Sommer" ( so Renault Vorstandsmitglied Georg Heinz Hommen )
offiziell ins Renault - Programm aufgenommen.
EBS liefert das R-5-Cabrio-vom 45-PS-Campus bis zum GT Turbo mit 115 PS- allerdings schon jetzt an etwa 50 Renault -Händler im gesamten Bundesgebiet.
Uns hat auf der Ausfahrt der R5 GTE mit 95 PS begleitet.
Der größte Trumpf des Neulings: Er ist ein Cabriolet nach guter alter Sitte. Anders als die Konkurrenten verzichtet er auf einen stabilisierenden Überrollbügel und auf vordere Dreiecksfenster. Massive Quer- und Längsträger in der Bodengruppe sowie seitliche Versteifungen, die zusätzlich in die Karosserie eingearbeitet wurden ( insgesamt wird der R5 58 Kilogramm schwerer), sollen den Renault annähernd unempfindlich gegen Verwindungen machen.
Eine wesentlich elegantere, aber auch teure Lösung. So beträgt beim R5 der Preisunterschied zur jeweiligen Limousine mit festem Blechdach fast 10.000 DM (!). Wenn Renault das Cabriolet allerdings wirklich offiziell anbietet, soll der Preis etwas sinken. EBS könnte die Produktion von jetzt 35 Fahrzeugen pro Woche auf etwa 80 steigern und somit wirtschaftlicher arbeiten.

Harmonie in der Linienführung: R5 Cabrio
Keine Frage: Mit zurück geklapptem Verdeck gibt der Renault die beste Figur ab.
Er wirkt wie aus einem Guß. Gerade so, als wäre er bereits als Cabriolet auf die Welt gekommen.
Lediglich der Peugeot und mit Abstrichen der Escort bieten eine ähnlich harmonische Karosserielinie. Der kantige Golf und der Opel Kadett versprühen weitaus weniger Charme.
Kann sich de R5 aber in punkto Stabilität tatsächlich mit den " Henkelmännern" messen?
Auf topfebenen Asphalt sind die Unterschiede in der Festigkeit der Karosserie kaum bemerkbar.
Doch am meisten Spaß bringen die Cabrios ja bei gemütlichen Überlandfahrten, abseits der großen Straßen.
Und hier werden die Fahrwerke zumeist wesentlich stärker strapaziert. Der Golf setzt den Maßstab.
Er läßt sich selbst von üblen Schlaglöchern nicht aus der Ruhe bringen.
De Preis für diese Stabilität: ein Mehrgewicht von fast 100 Kilo im Vergleich zur Limousine. Karmann in Osnabrück, wo das Golf Cabriolet gebaut wird, hat zusätzlich zum Henkel wuchtige Querträger hinter der Rückbank und unterhalb des Armaturenbretts, in Höhe der Knie, eingebracht.
Nicht gerade eine Zier fürs Auge.
Zum Glück haben sich die übrigen Hersteller in diesem Punkt nicht am Oldie orientiert. Wer bei ihnen die zusätzlichen Versteifungen erforschen möchte, muß schon ganz genau unter Teppiche und Abdeckungen gucken. Dennoch machen die Karosserien vom Ford und vom Opel nur einen geringfügigen labileren Eindruck, der Peugeot folgt in der Stabilitätswertung auf Platz vier.
Auch diese Hersteller lassen übrigens außer Haus umbauen. Der Escort läuft parallel zum Golf in Osnabrück bei
Karmann vom Band. Opel liefert Rohkarossen nach Turin zu Nuccio Bertone, und Peugeot vertraut auf die Erfahrung von Sergio Pinifarina. Er enthauptet den 205 in Mailand.
Für den Renault bleibt im Kapitel Stabilität der letzte Platz. So hübsch der Kleine auch ist- er zittert auf schlechtem Straßenbelag am ganzen (Fahrzeug-) Körper. Zwar wackelt seine Karosserie nicht gerade wie Götterspeise, aber dennoch ist eine deutliche Differenz zu den Großserien- Cabriolets auszumachen.
Auf das Fahrverhalten hat diese Tatsache indes keinen Einfluß. Hier muß den Technikern von EBS ein großes Lob gezollt werden. Ein Unterschied zur Basislimousine ist nicht festzustellen. Der Franzose aus Belgien klebt förmlich auf der Straße und überrascht zu keinem Zeitpunkt mit tückischen Reaktionen.
Dem Golf und dem Opel behagen sportliche Übungen weitaus weniger. Bei zügiger Kurvenfahrt schaukeln sie wie ein Schiff in der Brandung. Die beiden sind wahre Softies mit langen Federwegen.
Ideal zum gemütlichen Bummeln oder für strapaziöse Autobahntouren. In Sachen Komfort ganz anders der Peugeot. Er brodelt geradezu vor jugendlichem Temperament. Hart, aber herzlich.
Kein Konkurrent kann ihm das Wasser reichen. Wieselflink huscht er um die Ecken. Da kommt die Fahrfreude wirklich nicht zu kurz. Fairerweise muss erwähnt werden, dass der CTI mit 102 PS den stärksten Motor stellt.
Das 1,9 Liter Aggregat ist quicklebendig und überaus elastisch. Kein wunder, dass der Franzose der Konkurrenz davon fährt ( siehe Testwerte).
Einen besonders schlappen Eindruck hinterlässt der Ford Escort. Sein 90 PS Vierzylinder enttäuscht vor allem im Durchzugsvermögen, also wenn es darum geht, bei niedrigem Tempo im hohen Gang zu beschleunigen. Noch weniger Temperament zeigt erwartungsgemäß der Kadett. Opel muss aber zugute gehalten werden, dass sie bereits in der 75 PS Version einen geregelten Katalysator anbieten. Dass die Fahrwerte entsprechend schlechter ausfallen, ist daher keine Schande. Unbefriedigend ist höchstens der zu lang übersetzte fünfte Gang.
Bei Überholmanövern muss, wie beim Ford, fleißig geschaltet werden.
Ein Cabrio- Quintett ohne Säufer
Dafür brilliert das Aerodynamik- Wunder Kadett (er hat noch offen einen besseren CW Wert als der Golf geschlossen) mit einem hervorragenden Verbrauch. 8,2 Liter auf 100 Kilometer- Hut ab!
Doch auch die Konkurrenten genehmigen sich akzeptable Spritrationen.
Mit unverschämten Trinkgewohnheiten überraschte keiner an der Tanksäule. Für Escort (einziger Fünfsitzer im Vergleich) und Kadett sprechen auch die großen Kofferräume. Immerhin: Umklappbare Rücksitzlehnen bieten auch die anderen, im Peugeot wird zusätzlich die Sitzfläche hochgeklappt und ermöglicht eine ebene Ladefläche. Die Lehnen werden, um Gepäckdiebstahl nicht zu erleichtern, vom abschließbaren Kofferraum aus  entriegelt.
Einzig beim EBS Renault wurde das wohl übersehen.
Cabriofahren in Deutschland, das ist oftmals leider nur ein Vergnügen für wenige Augenblicke. Von einer Minute zur anderen geht strahlender Sonnenschein in einen Wolkenbruch über. Da heißt es hoch mit der Kapuze- und das möglichst schnell. Also wie steht es mit der Handhabung der Verdecke?
Die seligen Zeiten der Steckverdecke, die erst aus dem Kofferraum gekramt werden mussten, sind zum Glück lange vorbei. Alle fünf Kandidaten bieten moderne, gefütterte Klappverdecke mit vorderen Spannhaken. In Sekundenschnelle lassen sich die Kunststoffkapuzen schließen. Den geringsten Kraftaufwand erfordern die beiden Karmann- Entwicklungen. Escort und Golf.
Eine Hand genügt. Bei den anderen drei verwindet sich das Verdeckgestänge etwas mehr. In der Verarbeitungsqualität sind die deutschen Fabrikate Spitze. Die Kadett- Mütze ist von innen sogar mit feinem Alcantara, einem künstlichen Wildleder, ausgeschlagen. Während sich die Franzosen für große, flexible Heckscheiben aus Kunststoff entschieden haben, bietet das deutsche Trio kleinere, beheizbare Scheiben aus Glas. Sie verkratzen nicht und bieten auch im Winter freie Sicht nach hinten.
Der Nachteil: Bei aufgeklappten verdeck bleibt ein relativ hoher Wulst stehen, der den Fahrer beim Rangieren behindert. Die Hauben der Franzosen liegen flacher auf der Heckablage. Das sieht eleganter aus und erleichtert zudem das einparken erheblich. Die Windgeräusche sind beim Kadett und Escort am geringsten. Auch im Golf- Innenraum herrscht bei zügigem Autobahntempo eine angenehme Ruhe.
Offenfahren- ein himmlisches Vergnügen
Das Peugeot- Verdeck flattert schon erheblich. Beim Renault schließlich übernimmt spätestens ab 140 km/h der Wind das  Kommando. Unterhaltungen sind kaum mehr noch möglich.
Hier fehlt es dem Franzosen noch an Feinarbeit. Offen bietet der Kadett seinen Passagieren den besten Windschutz. Er hat eine besonders hohe Taille. Bei geschlossenen Seitenfenstern weht  im Innenraum nur ein laues Lüftchen. Fast schon zu langweilig für ein Cabriolet.
Ungleich stürmischer geht es bei den anderen zu- vor allem wenn die Seitenscheiben heruntergekurbelt sind.
Ab 80 km/h ist jede Fönfrisur dahin. Ohne Gnade stülpt der Wind die Haare von hinten nach vorne, eine herrliche Kopfmassage. Nur wer wirklich vom Cabrio- Virus infiziert ist, empfindet offenfahren auch dann noch als himmlisches Vergnügen.

Testergebnis