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Die Geschichte der Firma EBS ( Ernst Berg Styling )

Erfinder des Renault 5 Cabriolet

Dank EBS verkauft Belgien in ganz Europa Cabrios.
Vor vier Jahren wurde die kleine Brüsseler Firma durch die Affäre „ Je t´aime, moi non plus“, „gesungen“ von der Regie Renault berühmt.
Heute hat sie ihre Gelassenheit wiedererlangt und macht sich daran, neue Märkte zu erschließen, wobei die Produktion des Super 5 Cabrio beibehalten wird.
Wir haben Ernst Berg, den Präsidenten der Firma, getroffen.
Er hat uns seine Geschichte und seine Projekte dargelegt, bevor er uns eine Fahrt in seinem neuesten Prototypen, dem Citroen AX und dem Volvo 480 Cabrio, und selbstverständlich im Renault Super 5 EBS anbot, der vom offiziellen Vertriebsnetz des französischen Herstellers verkauft wird.

EBS; drei Buchstaben, hinter denen ein Mann steht: Ernst Berg ( Styling).
Ein Name, der bei den älteren unter Ihnen vielleicht einige Erinnerungen weckt, nämlich bei jenen, die die nicht mehr existierende Europameisterschaft der Tourenwagen in den siebziger Jahren verfolgt haben. Es war die Zeit der Ford Capri 2600 RS und der BMW Coupe 3 Liter.
Einer  der Piloten hieß in der Tat Ernst Berg.

Als offizieller Pilot bei Ford und BMW Alpina war der heitere niederländische Rennfahrer auf allen europäischen Strecken unterwegs, er war auf der Straße ebenso erfolgreich wie im Gelände.
Als Sohn einer Architektenfamilie verbrachte unser Pilot, dessen Gespür und sinn für Public Relations ebenso gut ausgeprägt war wie sein Händchen am Lenkrad, die Woche damit, in der
Häuserrestaurierung zu arbeiten, einfach nur so zum Vergnügen. Er kaufte alte, verlassene Häuser im Herzen Amsterdams, bevor er sie vor dem Verfall rettete, sie renovierte und sie schlüsselfertig mit gutem Gewinn wieder verkaufte.
Aber gegen Ende der siebziger Jahre wird der Markt zu schwach. Ernst berg ist nicht entschlossen, die Rückschläge dadurch hinzunehmen, und verlässt die Architektur, um zu seiner ersten Liebe zurückzukehren: Das Auto.
Am Lenkrad wie im Geschäftsleben wenig zimperlich, begeistert er sich für Cabrios, vor allem wenn sie nicht in den Katalogen der Automobilhersteller vorkommen. Von einem Team portugiesischer Karosseriebauer, die in der Garage seiner Villa BMW und Mercedes Coupes zerschneiden, bringt es Ernst Berg zur Gründung seiner Spezialfirma für diese Art von Arbeiten. Er nennt sie ganz einfach Ernst Berg Styling: in drei Buchstaben EBS.
Ein Logo, das seit 1981 zunächst auf  einem, dann auf zwei Gebäuden des Gewerbegebietes
Von Zaventem in Belgien thront.
EBS arbeitet zunächst wie ein einfacher Tuner und wird auf anfrage einiger betuchter Kunden etwa 50 Mercedes Coupe und nicht weniger als 30 BMW der Serie 6 umbauen. Auf der Suche nach neuen Märkten stellt EBS auch einen Prototyp des Renault 25 Cabrio und insbesondere einen prachtvollen Ferrari Testarossa Cabrio her, der den kalifornischen Markt betören soll, jedoch leider in den Startlöchern stecken bleibt.
Ab 1985 regt Ernst Berg di Debatte an und verzichtet darauf, weiter mit Privatleuten zusammenzuarbeiten, er wendet sich ausschließlich an die großen Hersteller. Grundlage für diesen neuen Ehrgeiz sind wahrscheinlich zwei wichtige Begegnungen, die es näher zu untersuchen gilt.
Erstens wäre die Begegnung in Deutschland mit den Gebrüdern Buchmann zu nennen, sie sind für ihre unter dem Label „b+b“ umgebauten Porsche bekannt und damals dabei, ihr Geschäft aufzugeben. Gern überlassen sie ihrem Freund Ernst einen Teil ihres ultra qualifizierten Personals.
Aber die für die Geschichte von EBS wichtigsten Begegnung war zweifelsohne jene, die Ernst berg mit Heinz C. Pretcher zusammen brachte, dem Präsidenten von ASC( American Sunroof Company), dem Spezialisten des Schiebedaches und des Faltverdeckes. ASC verfügt über sein eigenes Entwicklungszentrum und verschiedene Fertigungsstraßen, auf denen insbesondere die Porsche 944 Cabrio gefertigt werden. Diese Begegnung war aufgrund der Umstände ebenso unvorhergesehen wie denkwürdig. Ernst, der immer noch vom Automobilsport begeistert ist und dort noch viele Freunde hat, beschließt eines schönen Tages, dem „ Milieu“ guten tag zu sagen und fährt für ein Wochenende an die Westküste der Vereinigten Staaten, um beim Grand Prix der Formel 1 in Detroit dabei zu sein.
Dort sitzt er auf Einladung seines alten Kollegen Ron Dennis (richtig, der Leiter des Rennstalls Mc Laren) mit Lauda und Watson an einem Tisch, ebenso mit einem gewissen Heinz Pretcher…..
Man stellt sich vor:“ Waht´s your buisness?- sunroof an convertible car.-What a surprise, me too!”
Gegenseitige  Einladungen  wurden ausgesprochen, Besuche abgestattet. Eine gegenseitige Wertschätzung auf der Basis eines gemeinsamen Essens, vertieft durch langjährige regelmäßige Kontakte, entsteht. EBS wurde im Licht des Vorbildes ASC professioneller, und was kommen musste, kam diesen Sommer auf ganz natürliche Weise.
Der Riese ASC kaufte 50% der Anteile des jungen Sprösslings EBS und hat heute den Ehrgeiz, daraus seine europäische Basis zu machen.

Gehen wir jedoch einmal zurück in das Jahr 1985., eine Zeit, in der Ernst Berg beschloss, einen höheren gang einzulegen, indem  er direkt mit den großen Herstellern verhandelte. Wegen solider Unterlagen und eines bemerkenswerten Prototyps des Renault Super 5 Cabrio in einer starken Position überzeugt er Georges Besse, den Chef der Regie Renault, dass EBS der ideale Partner ist, um den Renault Katalog durch ein Mittelklasse- Cabrio zu bereichern.
Es wir eine Vereinbahrung getroffen. Renault wird die unmontierten Rahmen der Super 5 an die EBS Werkstätten liefern, die sie einer technischen uns ästhetischen Metamorphose unterwerfen werden. Dank dieser Metamorphose wird der französische Hersteller in der Lage sein, seinen Kunden das einzige Cabrio dieser Klasse zu liefern, das auf den bekannten Sicherheitsbügel, der beim Golf und dem Kadett das Aussehen eines Picknick Korbes gibt, verzichten.
Für EBS ist also alles in Butter, Ernst Berg hat den ersten großgewerblichen Vertrag in der Tasche und steht bereits als einer der großen Spezialisten des Cabrios an der Seite von Karmann( Golf, Escort), Bertone( Kadett) und Pininfarina(205). Aber ein Drama wird seine Projekte zerstören. Georges Besse, mit dem er alle Verhandlungen führte, wird brutal von einer Terorristengruppe ermordet. Das Projekt Super 5 Cabrio wird aufgeschoben. Levy, der designierte Nachfolger von Besse, kommt geradewegs aus der grauen belgischen Eisen- und Stahlindustrie und zeigt schnell eine große Skepsis hinsichtlich dieses Segments auf dem Automobilsektor, in dem das Vergnügen und die Leidenschaft eine vorherrschende Stellung haben: er möchte nichts davon hören, und das Projekt EBS wird ständig aufgeschoben.
Levy, der ohne Vorbereitung in die Welt der Automobilindustrie kommt, hat nicht schnell genug begriffen, dass ein Auto mehr ist als eine Ansammlung jener Stahlbleche, die er seit seiner Zeit in der Lütticher Stahlregion so gut kennt, dass ein auto- Objekt der Begeisterung ist und dass ihm allein diese Begeisterung aus der Krise helfen kann.
Zu dieser Zeit nimmt er nur zwei Worte in den mund: Maßhalten und Qualität. Im Namen des letzten Wortes verweigert er, ohne das zahlreiche neutrale Techniker den Grund verstehen, die Absegnung der Abkommen, die EBS bereits mit seinem Vorgänger getroffen hatte. 
Es kommt jedoch zu einem Kompromiss, der es Ernst Berg erlaubt, die Felle zu retten.
In Ermangelung einer technischen Zusammenarbeit hält Renault aufgrund eines Handelsvertrages an dem Cabrio fest, was es EBS ermöglicht, von den Diensten des Vertriebnetzes der Renault – Vertragshändler zu profitieren.
Auf technischer Ebene haben die EBS Werkstätten jedoch keinen Vorteil und müssen mit vollkommen fertig gestellten Super 5 arbeiten. Der Arbeitsaufwand wird also verdoppelt, da sie nun den Wagen erst auseinanderbauen müssen, bevor er zugeschnitten, verstärkt, neu lackiert und wieder verkleidet wird. Eine menge unnötiger Arbeit also, die durch die Lieferung unmontierter Rahmen hätte vermieden werden können.
Wenn sich die Gegenwart für EBS auch noch mit dem Renault 5 Cabrio vereinbaren lässt, so weiß Ernst Berg doch sehr gut, dass die Zukunft woanders liegt und zwangsläufig über eine echte industrielle Partnerschaft mit einem oder mehreren großen Herstellern läuft.
Demzufolge sondiert er neue Märkte aus und zögert nicht, in die Entwicklung neuer Prototypen zu investieren. So hat er beim Autosalon in Paris 1988 einen Citroen AX Cabrio vorgestellt, der als Einzelstück in seiner Versuchswerkstatt entstand.
Zwar nimmt Citroen diese Studie mit großem Interesse zur Kenntnis, aber die Begeisterung der PSA- Gruppe, von der Citroen abhängt, ist wesentlich gedämpfter.
Die Studie an sich ist hervorragend, und kein Techniker findet Einwände gegen sie, aber ein Projekt dieser Tragweite macht bei solchen Betrachtungen nicht halt.
Die Geschäftspolitik kommt hier ins spiel und zögert nicht, Verwirrung zu stiften. PSA vermarktet bereits ein Cabrio, in diesem Falle den von Pininfarina entworfenen und gefertigten Peugeot 205. der Verkauf dieser Modelle kommt jedoch nicht in Schwung, und die Manager von PSA sind an Händen und Füßen an den Drakonischen Vertrag gebunden, der sie mit dem italienischen Karosseriebauer verbindet. In dem vertrag sind Produktionsuntergrenzen festgelegt, was im Klartext heißt, dass wenn der Absatz des 205 Cabrio unter den vorgesehen Produktionsquoten liegt, Pininfarina das Recht hat, Entschädigung von PSA zu fordern.
Kurzum, die Manager von PSA fürchten, das Erscheinen eines Citroen AX Cabrio könne die Verkaufszahlen seines Cousins unter die von Pininfarina auferlegte Schwelle fallen lassen. Darauf entgegnet ernst Berg, dass der potentielle Kunde eines AX Cabrio nicht derselbe ist wie der eines 205 Cabrio. Aber es ist nichts zu machen. PSA lehnt jede industrielle Zusammenarbeit mit EBS ab. Citroen bietet als letztes Mittel eine Handelspartnerschaft von dem gleichen Schlage an, wie sie EBS mit Renault hat, aber daran hat Ernst Berg kein Interesse mehr. Er hat bereits mehr als 1 Millionen Belgische Franc in den Prototyp gesteckt und möchte nicht noch größere Summen für eine spezifische Werkstattausrüstung ausgeben, wenn man ihm von neuern nur einen fußkranken Vertrag anbietet. Seine Vorhaben sind ehrgeizig, und Citroen ist nicht der einzige Verhandlungspartner auf dem Markt.
EBS hat nämlich den Volvo 480 im Visier, ist jedoch dabei nicht der einzige. Ein kleiner Flashback ist also zur Klärung der Lage notwendig. Seit seiner Geburt im Jahre 1986 erschien der Volvo 480 vielen Beobachtern als eine ideale Basis für ein herrliches Cabrio.
Rob Koch, Verantwortlicher des Stylingzentrums von Volvo Holland, in dem der 480 entstand, war sich dessen als erster bewusst, denn er machte sofort eine entsprechende Stilübung. Bei diesem Entwurf fielen außer des Daches auch die Plätze im Fond zugunsten eines windschlüpfigen Pontons weg, der Überrollbügel war in der Seitenansicht niedrig. Diese Studie, die zunächst in einem Modell in Originalgröße umgesetzt wurde, hätte 1987 beim Salon in Amsterdam ausgestellt werden sollen, aber die Leiter des schwedischen Herstellers untersagten im letzten Moment die Vorstellung. Denn so verführerisch dieses Cabrio auch war, es war für das Image von Volvo ein Problem, denn die Sicherheit stand bei dem Unternehmen immer an erster Stelle.
Auch wenn das Projekt auf eis gelegt ist, hat es doch im Hause Volvo bei einigen die Phantasie angeregt. Depauw, ein großer Volvo- Vertragshändler in Brüssel, hatte sich ebenfalls in dieses leichte und elegante Cabrio verliebt. Er ist von dem fehlenden Mut der schwedischen Unternehmensleitung  enttäuscht und beschließt, selbst zur Tat zu schreiten. Seit 1987 kontaktiert er EBS und vetraut seinen Traum, das auf eis gelegte Projekt von Rob Koch aufzutauen, Ernst Berg an.
Der Funke springt über, und Ernst Berg fühlt bei Volvo vor, er stellt fest, dass das Projekt 480 Cabrio noch in den Büros einiger Volvo- Managern herumgeistert. Sie zeigen Interesse an seiner ursprünglich von Depauw gesponserten Studie und beschließen, aus der Operation ein halboffizielles Projekt zu machen. Daher wird das Styling EBS- Cabrios von Rob Koch persönlich überwacht. Im Juni 1988 wird mit dem Bau des Prototyps begonnen, und zehn Monate später schlüpft ein herrliches Cabrio ohne Bügel aus seinem Ei, bereit, seinen Charme vor dem Volvo Vorstand zu entfalten.
Wird EBS endlich den Jahrhundertvertrag erhalten? Nichts ist weniger gewiß, denn inzwischen hat Ernst Berg erfahren, dass sein Konkurrent und Freund ASC ebenfalls einen Prototypen des 480 auf ausdrücklichen Wunsch von Volvo hergestellt hat. Wer wird also das Rennen machen, die europäische EBS oder der amerikanische ASC?
Schließlich fällt das Duell ins Wasser: ASC kauft 50% der Anteile der belgischen Firma, ohne jedoch als Mitgift den Volvo Vertrag zu bekommen, denn schließlich beschließt der schwedische Hersteller, das Cabrio im eigenen holländischen Werk zu bauen.
Der 480 von EBS wird also für immer ein Prototyp bleiben, wird jedoch einen erleuchteten Liebhaber erfreuen, da Depauw, der Sponsor des Projektes, bereits einen Käufer gefunden hat. Der Wagen wird seine Einmaligkeit niemals verlieren, denn im Gegensatz zum offiziellen Cabrio, das in einigen Jahren auf dem Markt kommt, behält er den unvergleichlichen Charme eines klassischen Cabrios ohne Bügel.

Text: Philippe Verheyden
Quelle: Driver Magazin.1989